Sternchens kleines Sammelsurium
Ein persönliches, buntes Allerlei mit Stubentigern, Gedichten, Rezepten, …


Stubentiger

Jerry, der Frechdachs …

Jerry war ein Kater mit »Goldfisch-Syndrom«. Als Baby saß er zu gerne im Waschbecken und duschte sich unter dem tropfenden Wasserhahn. Oder er planschte mit seinem Wassernapf 'rum und beobachtete völlig fasziniert, wie sich die Pfütze ausbreitete. Auch später liess ich manchmal im Waschbecken das Wasser ein klein wenig laufen, weil er so gerne nach dem Wasserstrahl schnappte und davon trank.

Foto: Jerry versteckt sich hinter der Tür
Klein-Jerry, immer auf Erkundungstour

Außerdem liebte er Pflanzen. Er roch gerne an Blumen und schmuste mit meinen Zimmerpflanzen. Allerdings waren nicht alle meine Pflanzen davon angetan, wenn er sein Köpfchen an ihnen reib und dabei Blüten und Blätter platt machte.

Er war frech und vorwitzig, sehr verschmust und anhänglich. Wenn ich nach Hause kam, war er der erste an der Tür und freute sich fast ein Loch in den Bauch. Überhaupt suchte er oft meine Nähe, schlief häufig in meinem Bett und kuschelte sich dann an meinen Bauch und schnurrte sich in den Schlaf.

Foto: Jerry sitzt im Blumenkasten
Perfekter Ausblick: Jerry im Blumenkasten im Wintergarten

Langweilig war es mit ihm nie. Sein größtes Abenteuer war wohl, als er in Cottbus durch die offene Dachluke herausgeklettert ist, und dann neben dem Schornstein saß und nicht mehr zurück konnte. Ich glaube bei seiner Rettung bin ich um fünf Jahre gealtert. Und ich war kurz davor, heraus zu finden, was wohl so ein Feuerwehreinsatz kostet …

Jerry war eine sprichwörtliche Naschkatze. Ich glaube es gab nicht viele Dinge, die er nicht probiert hat: Schokolade (natürlich nur selten und auch nur Krümmel), Spargel, Oliven (mit Paprika), Mocca-Yoghurt – um nur einige zu nennen …

Foto: Jerry fühlt sich wohl
Jerry fühlt sich wohl

Nach Clerence’ Tod wurde Jerry noch schmusiger und anhänglicher. Es war fast so, als wolle er die Lücke füllen, die sein Brüderchen hinterlassen hatte. Jetzt war er es, der sich auf meinen Schreibtisch setzte und mir bei der Arbeit zusah, oder sich zwischen meinen Bauch und die Tastatur legte – mit dem Köpfchen auf meinem Unterarm – und selig schlief.

Wenn ich nachts aufstand, weil ich zur Toilette musste, kam er schlaftrunken in den Flur geeilt und überschlug sich fast vor Freude. Dann schnurrte er laut glucksend, drückte seine Nase in meine Handinnenfläche und war ein einziges Bündel Glück.

Oft saß er tagsüber auf dem Wohnzimmerschrank und maunzte solange rum, bis ich endlich zu ihm ging. Das mochte er gern: auf Augenhöhe mit mir schmusen und sein Köpfchen in mein Gesicht drücken.

Viel zu früh

Mitte März 2007 wurde Jerry plötzlich krank: alles was er fraß erbrach er wenige Stunden später wieder. Beinah täglich waren wir mit ihm bei unserer Tierärztin. Sein Blut wurde untersucht und er wurde geröntgt – zunächst ohne Befund. Er bekam Medikamente und Infusionen. Dann schien alles wieder gut zu sein.

Foto: Jerry in »Kraul-mir-das-Bäuchlein«-Pose
Ich würde sonstetwas dafür geben, wenn ich noch einmal mein Gesicht in seinem Speckbäuchlein vergraben könnte …

Doch knapp eine Woche später begann es von vorne. Nach drei weiteren Arztbesuchen, Infusionen und einer neuen Röntgenaufname war dann leider klar, dass wir ihm nicht mehr helfen konnten. Er hatte eine Darmleukose und war am Ende seiner Kräfte.

Am 5. April 2007 wurde Jerry von unserer Tierärztin erlöst. Er starb zuhause, in meinem Arm. Er wurde noch nicht einmal zwölf Jahre alt. Und er hinterläßt ein nicht zu stopfendes Loch in meinem Leben …

Nachruf: Und mit Dir starb ein Teil von mir