Sternchens kleines Sammelsurium
Ein persönliches, buntes Allerlei mit Stubentigern, Gedichten, Rezepten, …


Stubentiger

Clerence, der Schmusebär …

Clerence war das Musterbeispiel für einen Schmusekater: wenn er nicht mindestens einmal am Tag ausgiebigst geknuddelt wurde, war seine Welt nicht in Ordnung. Und er verstand es glänzend, seine ihm zustehenden Streichel-Einheiten einzufordern. Er konnte so herrlich treudoof gucken, daß man sofort alles stehen und liegen ließ, um ihm den Bauch zu kraulen.

Foto: Jerry, Clerence und Sheila
Dreisamkeit: Jerry, Clerence und Sheila – Gemeinsam sind wir stark

Mit ihm verband mich immer etwas besonderes. Nartürlich liebe ich sie alle vier, und keinen weniger als den anderen, aber Clerence und ich waren schon ein besonderes Gespann. Es war am ersten Tag – die kleine Familie verarbeitete gerade den Umzug aus dem Tierheim – Whoopie machte erste Erkundungsschritte in umittelbarer Nähe ihrer Kleinen und Sheila und Jerry folgten ihr und kletterten aus dem Karton mit der Schmusedecke. Clerence bekam davon erst etwas mit, als er sich bereits mutterseelenallein in dem Karton befand – zweifellos eine für ihn dragische und durchaus dramatische Situation, die ihn sehr beunruhigte, schließlich waren Mama und Geschwister jenseits der Pappe für ihn nicht mehr zu sehen. Entsprechend ängstlich schaute er dann auch hilfesuchend zu mir hoch und maunzte mich leise an. Ein blauäugiges schwarzes Pelzbällchen, das mich brauchte – das war der Anfang einer intensiven Bindung.

Foto: Clerence spielt mit einem Paar Socken
Verspielter Kampf mit einem Paar Söckchen – wer wohl gewinnen wird?

Daran hat sich auch nie wieder etwas geändert. Clerence war immer ein bißchen der Einzelgänger, einer der lieber mit mir schmuste, als sich den kollektiven Putzorgien seiner Familie anzuschließen. Am liebsten kam er zu mir, wenn ich am Schreibtisch saß. Dann setzte er sich auf meinen Schoß, legte sich aber mit dem Oberkörper und seinen Vorderpfötchen auf die Tischplatte, zwischen meine Arme, und sah mir dann bei der Arbeit am Computer zu – stetig leise schnurrend …

Foto: Clerence schaut von der Treppe runter
Clerence’ Logenplatz: wer kommt denn da die Treppe rauf?

Mit ihm durfte ich alles machen, er vertraute mir grenzenlos, nahm mir nichts übel: keinen Besuch beim Tierarzt, keine Zwangszuführung von Medikamenten, Wurmkuren oder was sonst so nötig war. Er schien immer zu spüren, was immer ich auch tue, ich tue es für ihn, zu seinem Besten.

Tal der Tränen

Clerence wurde nicht einmal zehn Jahre alt. Es war im Juni 2004, er war gerade neun, als ich mit ihm zum Tierarzt ging. Ich dachte er habe einen Schnupfen, weil er immer öfter mal nieste. Um so heftiger traf es mich dann, als der Arzt bei der Untersuchung einen Tumor in Clerence’ Nase entdeckte. Die Gewebeprobe bestätigte später die schlimmste Befürchtung: es war ein malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs) – eine der aggresivsten Formen von Krebs bei Mensch und Tier, bei Katzen eigentlich höchst selten.

Es gab nicht viele Optionen, jedenfalls keine, die ich meinem kleinen Schmusebären zumuten wollte. Der Tierarzt hätte ihm zwar den gesamten rechten Nasenflügel entfernen können und an den Anblick hätte ich mich sicher auch gewöhnt, ein liebendes Herz ist schließlich blind. Aber die Aussicht auf Heilung war gleich null. Zu aggressiv war diese Form von Krebs, und die Wahrscheinlichkeit, dass er bereits gestreut hatte, oder spätestens bei der Operation streuen würde war einfach zu groß, als dass ich Clerence diese Tortur hätte antun wollen.

Nachdem ich mich mit dem Tierarzt beraten hatte, beschloß ich, die Zeit die mir mit Clerence noch blieb so gut es ging zu geniessen und sie ihm so angenehm wie möglich zu machen – ohne weitere Operationen und Tierarztbesuche. Stattdessen bekam er Cortison und damit ging es ihm richtig gut. Und so wurden mir noch ganze sechs Monate mit ihm geschenkt – eine Zeit, die ich ganz intensiv mit ihm erlebte.

Foto: Clerence
In meinem Herzen lebst Du weiter, mein kleines Dickerchen …

Am 9. Dezember 2004 wurde er dann zuhause eingeschläfert. Getröstet hat mich dabei nur, dass es ihm bis zu letzt gut ging, dass er noch geschnurrt hat, bevor er in meinem Arm einschlief.

Die große Lücke, die er in meinem Leben hinterlies, ist bis heute geblieben …